Ich bin zurück!

Eine gefühlte Ewigkeit liegt hinter mir. Eine Zeit, in der ich zu mir finden musste. Eine Zeit, in der ich sehr viel über mich selbst erfahren durfte. Eine Zeit, in der ich alle erdenklichen Gefühlswelten durchleben sollte. Monate der Ohnmacht, der Verzweiflung, der Wut und der Trauer liegen hinter mir.

Noch bevor mir mein persönliches Schicksal vor drei Jahren aufzeigte, was passieren kann, wenn ich mich selbst verliere, dachte ich immer, dass ich doch schon alles in meinem bewegten Leben erfahren habe und mir doch nichts mehr passieren könne.

Es ist gar nicht so einfach, hier und jetzt die richtigen Worte für all das Geschehene zu finden. Seit Tagen freue ich mich darauf, wieder an vergangene Erlebnisgeschichten in meinen Blog anzuknüpfen. Nun merke ich, dass mir die Worte fehlen. Daher werde ich jetzt einfach, wie früher,  meinen Gedanken freien Lauf lassen.

Es hat ewig gedauert, bis ich es verstanden hatte, dass meine große Liebe, für die ich damals alles aufgegeben habe, zu Ende ist. Ich konnte es weder annehmen noch verdauen, dass „Mann“ mich nicht mehr lieben kann. „Mich“, die ich mich doch selbst für so einzigartig hielt!

Den jahrelangen Kampf, mein Verhalten anzupassen und dieses ansatzweise irgendwie zu ändern und die Hoffnung, dass es dadurch doch irgendwann besser werden kann, habe ich verloren. Ich weiß – WIR haben den Kampf verloren! Es gehören immer zwei dazu.

Jedoch schreibe ich hier über meine Person und ich möchte mir nicht anmaßen, den Vater meiner wundervollen Söhne hier in meinem liebevoll aufgebauten Blog zu kritisieren. Ganz bewusst habe ich in den vergangenen Monaten meine Tastatur nicht berührt, denn ich befand mich noch auf dem Weg zu meinem eigenen, inneren Frieden und musste erst durch die harte Schule zur Selbstliebe gehen.

Harte Schule deswegen, weil ich mich alles andere als attraktiv oder anziehend empfand. Voller Selbstzweifel betrachtete ich mein äußeres und inneres Spiegelbild. Es folgte die emotionalste Reise zu mir selbst. Ich tauchte in tiefe Schichten meines inneren Kindes ein und stieß dabei auf die Urquelle meiner Problemzone beziehungstechnischer Verhaltensweisen. Diesen Weg beschritt ich nicht allein. Eine wunderbare Therapeutin half und hilft mir immer noch dabei. Früher dachte ich immer, dass ich das nicht nötig hätte. Weit gefehlt. Unglaublich, welche Ereignisse ich doch aus meiner Kindheit und Jugend ein Leben lang einfach in die hinterste Schublade packte.

Die letzten siebenunddreißig Beziehungsjahre meines vollgepackten, berufstätigen Lebens mit vier Kindern aus der ersten und dritten Ehe ließen mir keine Zeit für innere Einkehr. Aber ehrlich gesagt verstecke ich mich ein wenig hinter diesem Satz. Denn ich wollte mich partout nicht damit auseinandersetzen und zog immer den Weg der Ablenkung mit allen Mitteln vor.

Die Talsohle erreichte ich im Januar 2022. Als ich all meinen Lebensmut verlor, erschrak ich fürchterlich über diesen Zustand, suchte mir therapeutische Unterstützung und ab diesem Zeitpunkt ging es langsam, aber stetig aufwärts.

So – nun aber genug mit der trüben Zusammenfassung!

Mit dem letzten Jahreswechsel verabschiedete ich mich von all dem Schmerz, der Wut und dem Selbstmitleid. Ich löste mich von schädlichen Einflüssen und Oberflächlichkeiten. Auch wenn ich nun allein dastehe, so weiß ich, dass dies genauso zu meiner persönlichen Weiterentwicklung gehört, wie meine kürzlich begonnene Ausbildung, welche ich abends neben meinem Job durchziehe.

Und meinen liebevoll getauften „Seelentröster-Speckrollen“ geht es mittlerweile mächtig an den Kragen. Schluss mit den Ausreden, dass diese doch durch die Hormonumstellung meiner Wechseljahre, langsamen Stoffwechsel oder die Unbeweglichkeit nach meiner Knie-OP entstanden sind und diese doch nur schwer wieder verschwinden können.

Ja, zugegebenermaßen vollzieht sich die Gewichtsabnahme langsamer, als in jungen Jahren. Aber was solls. So haben Haut und Muskeln wenigstens eine kleine Chance, nicht wie die Schwammtücher einer Autowaschanlage herunterzuhängen, sondern sich langsam wieder meinem Körper anzupassen. Dies hoffe ich zumindest. 😊

Nachdem die schmerzvolle Entscheidung fiel, das Haus doch zu verkaufen und unsere Kindertagespflege aufzugeben, öffneten sich plötzlich in Windeseile einige Türen zum neuen Leben. Meine Söhne und ich bezogen eine wunderschöne Wohnung im selben Ort und ich durfte in einer anderen Kindertagespflegeeinrichtung neu durchstarten. Nach zwölf Jahren Kinderbetreuung im eigenen Heim, fahre ich endlich wieder zu meinem Arbeitsplatz hin und zurück. Was für viele von euch völlig normal ist, ist für mich immer noch wie ein Traum.

Die letzten Jahre befand ich mich in einem Strudel von Gefühlen aller Art. Ich gehörte zu dem Part in einer Beziehung, die das nahende Ende einfach nicht wahrhaben wollte. Ich lebte in einer Blase – jahrelang – erkannte nicht wirklich, wie es um uns steht. Die Quelle des wichtigsten Gutes versiegte – die Quelle der Kommunikation, damit meine ich, die offene und ehrliche Kommunikation. Wir lebten uns auseinander und wussten nicht mehr wirklich, was der andere dachte oder geschweige denn fühlte.

Drum möchte ich nun diesen kleinen Brief ins Universum senden, dessen Empfänger nur einer sein kann…

„Na du,

ich atme tief ein und schließe dabei meine Augen. Vor meinem geistigen Auge erscheinen ein schwarzer Ledermantel, ein umwerfendes Lächeln, ein guter Duft, herzerfrischendes Lachen, dieses Kribbeln im Bauch – begleitet von rasendem Herzklopfen, das schlechte Gewissen, die Sehnsucht, die erste Berührung beim Tanzen, die Vernunft, das nicht vergessen können, die Liebeserklärung, das heimliche Treffen, der erste Kuss, die Entscheidung zur absoluten Lebensveränderung.

Darauf folgten Jahre, die sich anfühlten, als wenn wir schon drei Leben gelebt hätten. Alles geschah im Zeitraffer. Wir wollten uns festhalten, uns kontrollieren, uns manipulieren, alles zerreden, großartige Eltern sein und ein Familienleben gründen, welches nichts erschüttern kann. Wir wollten alles richtig machen! Das war unser Ziel!

Wir verloren schleichend die Leichtigkeit, unser Lachen, unsere Träume, die Musik, das Tanzen, unsere Ziele, unsere Gemeinsamkeiten. Zu schwer wogen unsere Vergangenheiten, zu groß war die Last des Unterbewusstseins und zu heftig unser Alltag. Das, was wir uns zu Beginn erhofften, konnten wir uns gegenseitig nicht geben. Wir haben eines nicht verstanden. Jeder muss zuerst sich selbst lieben, annehmen und schätzen! Erst dann kann frei geliebt werden.

Mir tut es leid. Mir tut es leid, dass wir beide nicht in der Lage waren, den anderen offen und ohne Sorge zu lieben. Mittlerweile bin ich in der Lage, mich an viele schöne Ereignisse zu erinnern, denn meine Wut ist zum Großteil verflogen.

Ich wünsche Dir, lieber „Noch Ehemann“, eine wundervolle Zukunft. Ich wünsche Dir, dass Du ankommst und das findest, was Du schon ein Leben lang suchst. Ich wünsche Dir Energie und dass Du Deine liebevolle und lustige Art wieder nach außen stülpst, denn Du bist ein großartiger Mensch.

Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam für unsere Kinder da sind. Das sie wieder uns beide als Ansprechpartner sehen und verstehen. Und ich werde meinen Teil dazu beitragen, wo auch immer es Dich hin verschlagen wird.

Wir durften wachsen und uns in den Jahren weiterentwickeln und aus unseren Fehlern lernen. Nun heißt es, die Wunschvorstellung des bereits angefangenen, neuen Lebens auch in die Tat umzusetzen. 

In Gedanken entzünde ich bei der Musik von „A Lord of the Rings Suite“ eine chinesische Laterne und lasse sie mit meinen Wünschen für dich und mich in den Nachthimmel emporsteigen.

Wie sagst du immer so schön? Fühl dich gedrückt…

Mach‘s gut und bewahre Dir Dein Bauchgefühl!

Deine ehemalige Geliebte, Ehefrau und Freundin – heute , die Mutter Deiner Kinder“