Was antwortest du, wenn dein Sohn dich fragt…

Warum haben wir Hände, Mama?

Warum sind wir eigentlich hier?

Warum gibt es uns überhaupt, wenn die Menschen sowieso alles kaputt machen?

Der Mensch ist das Schlimmste was auf der Welt herum läuft!

Warum sind wir hier, wenn wir sowieso sterben müssen? Mama – warum?

Diese Fragen stellte mir gestern mein Neunjähriger, als wir vor dem Schlafen gehen noch ein wenig beisammen saßen und redeten. Er fragte mich alles auf einmal, ohne mir Gelegenheit zu geben, eine Frage nach der anderen zu beantworten. Es sprudelte nur so aus ihm heraus, so das ich wirklich mit meinen Antworten ins stocken geriet.

Ich finde, das er ein besonders aufgewecktes Kerlchen ist, der sich schon im Kleinkindalter anders, als seine älteren Geschwister verhielt. Sensibel sind sie alle, jeder auf seine eigene Art und Weise, aber er ist der feinfühligste von meinen vier Kindern. Und er überrascht mich immer wieder aufs Neue und regt mich zum Nachdenken an.

Oft sorge ich mich etwas um ihn, weil er sich mit Dingen beschäftigt, die alters entsprechend einfach noch nicht dran sind. Ich glaube nicht, das ihm dies bewusst ist, er beschäftigt sich schon, seit er seine Gedanken in Worte fassen kann, mit tiefsinnigen Fragen.

Ich, die evangelisch erzogen wurde und auch grundsätzlich an Gott glaubt, hinterfrage seit Jahren viele religiöse Angelegenheiten. Seit der Globalisierung finden wir, mit Hilfe der Medien, Zugang zu allen Religionen dieser Welt, die wir erfahren möchten. Und da stellt sich mir schon die Frage, wessen Glaube denn nun der richtige auf dieser Welt ist?

Sollen wir es uns einfach aussuchen, was uns am besten liegt oder gefällt? Sollen wir uns denjenigen zuwenden, die uns die meiste Aufmerksamkeit schenken? Jene, die uns etwa das Gefühl von Familie vermitteln? Schreckensmeldungen von Auswirkungen fanatischer Gruppierungen dieser Welt lassen mich schnell wieder ernüchtert darüber nachdenken. Wie viele Jugendliche wurden unbemerkt ihren Eltern mit dieser Art von Lockrufen entzogen?

Erschüttert erwähnte mein Sohn, das in seiner Klasse so gut wie niemand an irgend etwas glaubt. Auf meine Frage, was er denn damit meinen würde, antwortete er mir, das es für viele einfach nichts gibt. Keinen Weihnachtsmann, kein Ostern (er meinte vielleicht den Hasen), keinen Gott – einfach nichts.

Und wieder fragte ich mich in diesem Moment, ob es denn nun an der Zeit für Aufklärungsarbeit wäre, ließ es jedoch sein, da die Schlussfolgerung vermutlicher weise lauten würde, das es dann bestimmt auch keinen Gott gäbe. Denn an den glaube er ja auch auf ähnliche Weise, wie eben an den Weihnachtsmann, dessen Existenz allerdings, mehr und mehr, mächtig in Frage gestellt wird.

Seit es unzählige, wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, prüfe und vergleiche ich diese mit den mir vermittelten, theologischen Erzählungen. Früher hätte ich auf die erste Frage ganz spontan und voller Überzeugung folgendes geantwortet: „Weil der liebe Gott uns genauso erschaffen hat und weil er wollte, das wir uns die Erde untertan machen.

Wenn ich mich mit dem Begriff „untertan machen“ genauer beschäftige und nachschlage, was es eigentlich bedeutet, erklärt sich die Sichtweise mancher Schriftgelehrten auf die Dinge von selbst.

Es bedeutet ‚besiegen‘ oder weitere Synonyme, wie z. B. beherrschen, bewältigen, unterwerfen, überrennen oder etwas an sich reißen, könnten damit ebenfalls gemeint sein.

Dieses „untertan machen“ kann unmöglich die richtige Antwort auf die zweite Frage sein. Ich möchte diese und die dritte Frage besser wie folgt begründen:

Wir Menschen sind geboren worden, um mit allen Lebewesen und Pflanzen respekt- und rücksichtsvoll umzugehen.

Ich könnte es sehr gut nachvollziehen, wenn uns der Schöpfer dieses wunderbaren blauen Planeten den Rücken zukehrt, weil er es einfach nicht mehr mit ansehen kann, auf welche Art und Weise wir mit unserem eigenen Lebensraum umgehen, diesen ausbeuten, schänden, verunreinigen und zerstören. Wir radieren ihn, wie hirnlose Geschöpfe mit unserer Profitgier aus. Berechnungen verschiedenster Wissenschaftler werden häufig verdrängt, geleugnet und nicht ernst genommen.

Der Zeitpunkt umzudenken und entsprechend zu handeln ist im HIER und JETZT!

Es hat sich bereits gerächt, den Start auf morgen oder später zu verschieben.

Aber bevor ich mich hier in den Zeilen der Realitätsbeschreibung verliere, gehe ich zu meinen eigentlichen Grund für diesen Beitrag über.

 

Mein liebes Nesthäkchen,

wenn es an der Zeit ist und du diesen Text mit Verstand liest, habe ich folgende Antworten auf deine Fragen.

Warum haben wir Hände, Mama?

Weil wir mit unseren Händen sehr viel bewegen können. Weil wir das bisher für unmöglich gehaltene möglich machen können. Unsere Hände sind die Werkzeuge unseres Geistes und Herzens und wenn wir diese mit Verstand einsetzen, hinterlassen wir wunderbare Spuren unseres Selbst, die niemals vergessen werden.

Warum sind wir eigentlich hier?

Die Evolution ist eine grundsätzliche Antwort unseres Bestehens. Der Mensch hat sich entwickelt über einen ewig langen Zeitraum. Ich glaube nicht mehr an die Entstehungsgeschichte der Bibel und schon gar nicht an die Formulierung, das Eva aus der Rippe des Mannes entstanden sein soll. Das weibliche Individuum ist so komplex, das eine einzige Rippe dafür gar nicht ausreichen würde.  🙂

Du bist hier, weil du wichtig für diese Welt bist! Du bist hier, weil die Welt dich braucht! Welche Aufgaben du später einmal übernehmen wirst, steht heute noch nicht fest. Jedoch bin ich davon überzeugt, das du alles erreichen wirst, was du auch wirklich, wirklich willst. Menschen, wie du, die sich Gedanken über Grundsätze und die Gefühle anderer machen, sind auf dem richtigen Weg.

Warum sind wir hier, wenn die Menschen doch sowieso alles kaputt machen?

Wenn du gegen die Zerstörung deiner geliebten Umwelt bist und damit meine ich nicht nur die Natur, sondern auch dein nahes Umfeld, wie Freunde und Familie – dann stehe auf, ändere dein Verhalten und zeige anderen, wie es besser laufen kann!

Jammern und klagen kann jeder. Dazu beitragen, dass sich etwas ändert, das ist das Besondere und das Einzige, was zum Ziel führen kann. Lebe nach deiner Überzeugung und dann kannst du bestimmt auch mit vielen anderen Verbündeten dafür sorgen, das der von dir ausgesprochene Satz- „Der Mensch ist das Schlimmste, was auf der Welt herum läuft!“ – umformuliert wird. Vielleicht sagst du später:

Es gibt immer mehr Menschen, die sich für den Erhalt einer intakten Umwelt einsetzen und gemeinsam schaffen wir es, unseren gesunden Lebensraum zurück zu holen!

Warum sind wir hier, wenn wir sowieso sterben müssen – Mama?

Weil wir Zeit und Raum, in der wir auf dieser Erde verweilen dürfen, mit unserem Lachen und unserer Liebe erhellen können. Weil wir Erfahrungen sammeln und Fehler machen dürfen und aus diesen lernen sollen. Weil wir die Zeit nutzen werden, um Versäumtes wieder gut zu machen, in dem wir einander verzeihen und neu durch starten.

Ich kann dir nicht sagen, was nach dem Tod kommen wird. Ich glaube jedenfalls, das uns spätestens dann die Antwort gegeben werden wird, ob wir mit unseren Vermutungen oder Glaubensrichtungen gut unterwegs waren. Bis dahin dürfen wir selbst entscheiden, ob wir glauben und an was wir glauben werden.  

Ich bin davon überzeugt, das es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die Wissenschaftler noch nicht erklären können.

Für mich ist Glaube ein Gefühl, das tief in mir steckt und erwacht, wenn das Wissen an meine Grenzen stößt. Ein Gefühl von Wärme und Glück, gekoppelt an das Vertrauen, das alles gut werden wird!

Das ist für mich „Glaube“.