Vorhersage: WECHSELHAFT

In den kommenden Stunden ist die Stimmungsfarbe eher strahlend blau und wolkenlos. Im Tagesverlauf werden die inneren Temperaturen zeitweise auf gefühlte Werte von 38 bis 39,5 Grad ansteigen. Abends könnten sich die froh- und positiv gestimmten Winde in ein orkanartiges Stimmungstief verwandeln.

Sie sollten besser alle im Weg stehende Hindernisse aus dem Weg räumen, damit diese nicht von der nahenden Diskussionsflut erfasst werden. Am nächsten Tag lässt sich wieder häufiger der eigentliche Sonnenschein blicken. Genießen Sie es, denn keiner kann genau vorhersagen, wie lange diese Wetterlage anhalten wird…

So würde ich eine Wettervorhersage meiner aktuellen Lebensphase beschreiben. Dass wir Frauen kurz vor oder während unserer Periode eher schwierig, als einfach zu Handhaben sind, ist allgemein bekannt. Oft wird uns unterstellt, das wir diesen Zustand als Ausrede benutzen, um unser Verhalten zu rechtfertigen.

Mag sein, das dies das eine oder andere Mal auch zutrifft. Ich kann jedoch aus meiner Sicht alle liebenden Partner beruhigen. Denn wer sagt denn, das es nicht noch schlimmer kommen kann?

Liebe Lebensgefährten und Ehemänner!

Haltet also die Füße still und genießt diese, sich wiederholenden Hormonschwankungen im monatlichen Rhythmus! Denn wenn es soweit ist, das die Pubertät ein zweites Mal – nur eben irgendwie rückwärts – in unserem weiblichen Leben einsetzt, dann könnt ihr euch gegebenenfalls warm anziehen!

Über die Pubertät unserer Jugendlichen sprechen wir fast täglich, wenn wir aktuell mit diesen Individuen zusammen leben dürfen. Über diese, bei fast jeder weiblichen Person, eintretende Hormonumstellung redet dagegen fast niemand in der Öffentlichkeit, was ich persönlich sehr schade finde.

Denn dieser über Jahre andauernde, körperliche Entwicklungsprozess bestimmt unsere täglichen Lebenslagen, Handlungen und Gefühlswelten. Der leicht verdutzte Blick meines Gegenübers beim Erwähnen des Ausbleibens meiner monatlichen Regelblutung ist nicht etwa der Grund einer möglichen Schwangerschaft, sondern eben die ersten Anzeichen einer Hormonumstellung meines Körpers.

Früher nervte es mich immens, durch den weiblichen Zyklus regelmäßig behindert oder verhindert zu sein und ich hätte diesen Zustand am liebsten weggezaubert oder eben diesen Umstand mit meiner Oma getauscht. Sie musste sich jedenfalls um die Notfallversorgung von Füllmaterial keine Sorgen mehr machen.

Aktuell wünsche ich mir diese Regelmäßigkeit zurück, denn dann könnte ich mich zumindest darauf einstellen. Für mein Umfeld ist es keinesfalls einfacher, da sich meine hormonell beeinträchtigten Launen nicht mal eben einmal im Monat abspielen, sondern wie das Wetter, unvorhergesehen umschlagen können.

Ich kann mich sehr gut an meine Teenagerjahre erinnern, als mir kleinere Tränenbäche über die Wangen liefen, welche ich mir nicht erklären konnte, weil es mich einfach unangekündigt überrollte. Wechseljahre stehen eben nicht nur für zickige Anfälle und kleinere Wutausbrüche, sondern auch für einzigartige Sensibilität und Feingefühl.

Ähnlich wie während meiner Schwangerschaften berühren mich „Mercie-Werbefilme oder Filme wie „Honig im Kopf“. Jene Geschichten lassen mich ganze Taschentuchpackungen verbrauchen. Abschiede meiner Kinder oder unseres Rotschwänzchens (entschuldigt bitte meinen direkten Vergleich) rühren mich auch nach einigen Wochen noch zutiefst.

Ich kann nichts dagegen tun. Es passiert einfach. Beim Anblick zweier nebeneinander liegender, toter Bienen, die sich in unserem Haus vor unserer Urlaubsreise verirrten und die Zeit unserer Abwesenheit ohne Nahrung nicht überlebten, wurde ich mir meiner innerlich, übertriebenen Trauer bewusst und dachte mir, das es nun wohl langsam bei mir „hackt“!

Natürlich sind nicht alle weiblichen Wesen auf dieser Welt gleich und bei jeder Dame wirkt sich die Zeit dieser Umstellung anders aus. Ich hatte mich gedanklich vorher nie mit dieser Lebensphase beschäftigt. Ich wusste, das es irgendwann soweit sein würde, aber damit war das Thema auch schon abgehakt. Eigentlich ein entscheidendes Versäumnis.

Auf Lebensabschnitte, wie Ein- oder Ausstieg aus der Arbeitswelt, Partnerwahl, Familiengründung oder ein Leben im Alter sollten wir doch alle irgendwie vorbereitet sein, um letztendlich von den neuen Umständen nicht überrollt zu werden und eventuell in ein Stimmungstief zu rutschen.

Während ich das hier so schreibe, muss ich wirklich schmunzeln. Denn all diese, von mir aufgezählten Punkte, bis auf das Leben im Alter, plante ich niemals. In meinem Leben entschied ich meistens alles immer spontan und aus dem Bauch heraus und ließ es positiv gestimmt auf mich zukommen.

Meinen Lieblingssatz: „Das kriegen wir schon hin!“ durfte sich mein geliebter Mann anhören, als wir vor unserem Neuanfang am Startblock standen. Die Jahreszeiten sind bereits zum zwölften Male verflogen und irgendwie haben wir diese Zeit des älter werden überhaupt nicht mitbekommen. Äußerliche Spuren sieht man bestimmt. Innerlich fühlen wir uns immernoch wie um die dreißig.

Die Phase meines inneren „Wechsels“ nutze ich bewusst für neue Beschäftigungen. Das Imkern mit unseren Bienen und das Schreiben meiner Texte, den du heute mal wieder in meinem Blog lesen kannst. Ich habe den Eindruck, das ich in meinen persönlichen Wechseljahren zur Ruhe komme und versuche diesen Abschnitt als Geschenk zu betrachten.

Mein Körper signalisiert mir, das ich auf dieser Welt für das Fortbestehen meiner Gene erfolgreich gesorgt habe und mich nun diesbezüglich ausruhen darf.

Ich darf nun meine Früchte aus der Sicht eines Gärtners betrachten, sie noch eine Weile stützen, hegen und pflegen und auch mal zurechtstutzen, wenn es nötig ist. Und später werde ich hoffentlich unter dem Schatten meiner großen Bäumen sitzen dürfen und mich an den, in den Himmel ragenden Baumkronen erfreuen, welche mit Hilfe ihrer stark entwickelten Wurzeln hoffentlich nicht den Boden unter ihren Füßen verlieren werden.

Das ich den folgenden Satz einmal verinnerlichen werde, hätte ich von mir selbst nicht erwartet.

Hier bin ich – hier bleibe ich – hier werde ich sein!

Was jedoch nichts daran ändert, das sich noch einige Pläne und Visionen für meine zweite Lebenshälfte in meinem Kopf befinden.

Eine Freundin brachte mich auf die tolle Idee einer „Bucket-List“.

Einhundert Dinge, welche ich in meinem Leben erfahren, erreichen und umsetzen möchte. Anfangs belächelte ich dieses Vorhaben, doch mittlerweile bin ich von dieser Idee gefangen. Schreibe dir einhundert Träume, Ziele oder Wünsche auf einen großen Zettel. Finde für jeden Wunsch ein passendes Bild oder Foto. Klebe diese auf eine Fläche in der Größe eines Flip-Charts und hänge es an einen schönen Platz in deinen Wohnräumen auf.

So hast du deine Ziele immer vor Augen und dein Leben bleibt noch lange Zeit sehr bunt und abwechslungsreich. Viele meinen, das sie diese Liste im Kopf hätten. Mag sein. Ich möchte diese Ziele visuell erfassen können und mich daran erfreuen, wenn ich sie mir ansehe.

Dass unser Leben irgendwann ein Ende findet ist Gesetz, aber wie wir es bis zu diesem Zeitpunkt gestalten liegt in unserer Hand!

Die erste Umsetzung eines Wunsches steht nun an:

Denn heute Morgen weckte mich wieder dieser mächtige Druck, der sich von meinem Kiefergelenk ausbreitete. Ich gehöre zu den mit den Zähnen knirschenden Schlafmützen, welche unbewusst ihre nächtlichen Anspannungen durch Träume über ein mächtiges Zubeißen ihrer Ober- und Unterkiefer entladen. Diese Kräfte komprimieren sich in meinem Gebiss nur noch auf zwei Kontaktstellen, da mir vor Kurzem mein nicht mehr zu rettender, Wurzel behandelter Backenzahn gezogen und ein zwanzig Jahre altes Brückenelement getrennt wurde.

Morgen ist es soweit. Morgen wird mir meine schon lang geplante, feste Zahnspange eingesetzt. Für mich ist es ein besonderer Moment, der mich schon über dreißig Jahre beschäftigt. Damals lehnte meine Mutter den Behandlungsplan meines Jugendzahnarztes, zum Thema Zahnspange, aus persönlichen Gründen ab.

Mit den Jahren rückten sich die lieben Beißerchen untereinander auf die Pelle und schoben sich langsam, aber stetig nach vorne, so dass sie sich ineinander drehten und einen Backenzahn in den Gaumenbereich ab drängten, der jahrelang nutzlos im abseits stand. Dieser eine, vor zehn Jahren Tod geweihte kleine Kerl wird nun dringend gebraucht.

Er erspart mir den künstlichen Ersatz des entfernten Zahns, da dieser direkte Nachbar nun mit Hilfe der Spange in die Lücke gezogen wird. Im Zuge dessen rücken nun alle meine wertvollen Wegbegleiter an ihre, für sie vorgesehenen Plätze.

Es werden zwar noch zwei unangenehme Jahre der Behandlung vergehen, bis sie sich als Team gemeinsam gegen die nächtlichen Kraftakte stellen dürfen, aber dann dürften diese morgendlichen Kieferbeschwerden der Vergangenheit angehören.

Ich bin heute schon auf das Ergebnis gespannt und freue mich auf mein Lächeln mit geraden Zähnen.

Diesen bekannten Spruch hat mir meine verstorbene Mum in mein Poesiealbum geschrieben – das ist ewig her:

Nie verlerne, so zu lachen, wie du jetzt lachst, froh und frei, denn ein Leben ohne Lachen ist ein Frühling ohne Mai!

Liebe Mama,

ich werde mich daran halten, wenn es auch nicht immer leicht fällt.

Du hattest ja so Recht mit deiner Meinung, das Humor die wichtigste Eigenschaft ist, welche jeder haben sollte.

Damit lässt es sich in jedem Fall leichter leben.

In Liebe deine Monika