Winterferien und der Mann in der Sauna

Luxus ist für mich z. B. der Urlaub in einem kleinen, persönlichen Hotel mit Wellnessbereich. Ich muss nicht selbst in der Küche stehen, sondern darf mich in das gepflegte Hotelrestaurant begeben, werde von freundlichem Personal bedient und genieße die liebevoll zubereiteten Speisen. Dann blühe ich auf und schwebe in einer anderen Welt.

Letztes Jahr reisten wir wieder in den Skiurlaub nach Südtirol – St. Jakob. Ich freute mich auf diese Zeit. Eine Woche nur für uns – für meinem Mann, unseren beiden letzten Ableger und für mich. Ein Tag auf der Skipiste wird bei uns oft mit einem anschließenden Saunabesuch abgerundet .

Bei unserem dritten Wellnessnachmittag nahm ich in der kleinen, finnischen Sauna ein Geräusch, welches durch Umblättern von Zeitungspapier erzeugt wird, wahr. Und tatsächlich. – In dieser, 90 Grad beheizten, etwa vier Quadratmeter großen Sauna saß ein Mann mit Brille und Zeitung. Dieser Herr, schätzungsweise Mitte bis Ende fünfzig las während dem Saunagang seine Tageszeitung. Mir ist bekannt, das die meisten Männer von der Alterskurzsichtigkeit ebenfalls nicht verschont bleiben, gebe jedoch offen zu, das ich mich fragte, ob er diese Zeitung nur zur Tarnung lesen würde. Oder möchte er lieber auch sein nahes Umfeld in voller Schärfe betrachten?

Bei mir hat sich altersbedingt, zu meiner lebenslangen Weitsichtigkeit, die zusätzliche Lesebrille eingeschlichen. Alterskurzsichtigkeit hat ja auch so seine Vorteile. Ohne Brille ist Einiges viel schöner. Vor allem mein eigenes Spiegelbild. Mein Gesicht ist ohne Sehhilfe nahezu faltenfrei und auch meine weiblichen Rundungen sind aus dieser Perspektive von Cellulitis unberührt. Was meine Person angeht, würde ich meine Anwesenheit, gerade in der Sauna, ohne Brille bevorzugen. „Er wollte sicher bestimmt nur lesen!“, meinte mein bester Freund und Ehepartner.

Als ich am nächsten Tag allerdings genau denselben Herrn der Schöpfung, im Bademantel bekleidet, sein gutes Stück durch breitbeinige Sitzhaltung präsentierend, im Eingangsbereich des Hotels sitzen sah, musste ich schmunzeln.

Ich gebe zu, das ich in entspannten Urlaubszeiten mein Umfeld hin und wieder beobachte und mich manchmal über verschiedene Verhaltensmuster meiner Mitmenschen amüsiere. Bestimmt wurde der eine oder andere Lacher auch schon durch meine Person produziert. Da bin ich mir ziemlich sicher. Zu meinen Pannen im Leben komme ich noch in weiteren Beiträgen. Heute geht es mir, humorvoll betrachtet, um einen Auszug aus der geliebten Männerwelt.

Woran erkenne ich, ob sich Männer oder Frauen unter der Dusche des Saunabereiches befinden?

Wenn man sie auch nicht sehen kann – nachfolgende Geräusche  hingegen schon. Währenddessen räuspern und prusten sie laut vor sich hin, entleeren öffentlich, laut schnaubend ihre Nasen oder gurgeln dabei den Wasserstrahl in ihrer Kehle. Gelegentlich gibt es noch den einen oder anderen Songbeitrag. Wir duschen mit einem dezenten Quieken oder Kreischen oder halten die Luft an.

Das herrlich beleuchtete Schwimmbecken befindet sich im Außenbereich. Es ist bereits dunkel und die im Pool eingebauten Lichtquellen an der Einstiegstreppe laden zu weiteren „Hinguckern“ ein. Ich bemerke einen etwas untersetzten Herrn, der seinen rechten Fuß prüfend ins Wasser steckt, um kurz darauf überraschend leichtfüßig ins Wasser zu hüpfen. Im Anschluss folgen zwei Wirbelstürme, welche kaum zu erkennen sind, da sie im Eiltempo ins Wasser flitzen. Und zu guter Letzt ein durchtrainierter Zweimetermann, der selbstbewusst, mit schwingender Hüfte im Zeitlupentempo in den Pool steigt.

Ich bin mir mit zunehmendem Alter und Gewicht meiner Unvollkommenheit bewusst und bewundere die Selbstsicherheit meiner Mitmenschen. Und schon schenke ich meine Aufmerksamkeit wieder dem leckeren Essen im Restaurant-Bereich und genieße es…